Der folgende Bericht wurde von einer Touristin geschrieben, die mittlerweile mit ihrer Familie wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen ist. Ich finde ihr absolut lesenswert, weil er aus ganz menschlicher Sicht vermittelt, was die Menschen dort unten erleben!

Hallo zusammen,

nun m√∂chte ich auch gerne etwas zu unseren letzten ca. 36 Stunden auf der Inselschreiben. Wir, das sind 2 Erwachsene und 2 Kinder ūüĎ®‚ÄćūüĎ©‚ÄćūüĎß‚ÄćūüĎß. Wir waren im sch√∂nen Mitsis Rodos Village Beach Hotel in Kiotari untergebracht.¬†

Am Montag sollten wir in aller fruŐąh abreisen. Da wir die letzten 10 Tage viele tolle AusfluŐąge gemacht haben. Symi besichtigt, dann mit dem Mietwagen, Bus und zu Fu√ü unz√§hlige Kilometer zuruŐącklegten waren Samstag und Sonntag als Beachtage vorgesehen...¬†

Weil uns Lindos so gut gefiel, fuhren wir aber am Samstagvormittag noch einmal spontan zu einem Stadtbummel dort hin. Der Vormittag war einfach schön. In der Ferne beobachteten wir noch die Löschflugzeuge, wie sie Wasser im Meer tankten. 

Auf der RuŐąckfahrt sprachen wir mit dem Busfahrer und sahen in Lardos in der Ferne dicken schwarzen Rauch aufsteigen. Da der Busfahrer anhielt und Fotos machte und kurz darauf telefonierte, fragte ich ihn direkt, ob wir uns Sorgen machen sollten. Er verneinte und meinte das Laerma weiter weg liegt. Da wir den Locals vertrauten und weiterhin vertrauen, waren wir beruhigt. Im Hotel angekommen, trafen wir uns mit Freunden, die 15:30 Uhr von dem Transferbus abgeholt werden sollte. Ein letzter Drink zusammen, schwelgten in Erinnerung der vergangenen gemeinsamen Tage...¬†

Auf einmal wurde das Hotelpersonal unruhiger. Kurz darauf, der erste Stromausfall, dann der 2., 3., ... Mittlerweile sahen wir auch hinter dem Hotel den Rauch. Das Tageslicht nahm ein komisches Orange an. Da wir weiterhin beruhigt wurden, gingen wir noch alle zusammen zum Mittagessen. Hier wieder Stromausfall. Das Buffet beleuchteten wir mit den Taschenlampen der Handys. 

Am Tisch sagte uns ein Kellner, dass wir vielleicht evakuiert werden. Das erste Mal. Kurz darauf begann der Alarm. Wir verlie√üen alle das Hotel und sollten zum Strand gehen. Wir trennten uns von unseren Freunden, da wir noch vorsichtshalber unsere P√§sse holen wollten. Am Zimmer angekommen ging die TuŐąr aufgrund des Stromausfalls nicht mehr auf. Eine Reinigungskraft √∂ffnete uns unsere TuŐąr und sagte, dass wir doch noch unsere Kofferpacken k√∂nnten. Wir haben doch so viel Zeit...¬†

Gesagt getan. Am Strand angekommen wurde der Rauch dichter und dichter. Eine Koordination gab es nicht. Wir wussten lange Zeit nicht, was wir nun tun sollten. Es wurden HandtuŐącher und Masken ausgeteilt. Leider reichten die Masken nicht fuŐąr alle. Man nutzte eigene TuŐącher oder Decken.

Der Rauch wurde immer dichter, so dass wir uns entschlossen mit dem bereits auf der Stra√üe laufenden Strom aus Menschenmassen mitzulaufen. In Richtung SuŐąden.¬†

Safespace hieß es. Wir hatten aber sonst keine Infos.  

Wir liefen und liefen, zu stolz unsere Koffer zuruŐąck zulassen, bei enormer Hitze mit ihnen. HinterruŐącks sahen wir mittlerweile die Flammen lodern. So viele Einheimische legten Wasserschl√§uche auf die Stra√üe und halfen wo es ging! Wir kamen irgendwann in Gennadi an. Hier gab es endlich Wasser. Danke! Alle waren irgendwie planlos aber man fragte sich durch.¬†

Einige Zeit sp√§ter wurden wir mit Bussen in eine h√∂her gelegte Schule in Gennadi gebracht. Hier blieben wir fast bis zum Einbruch der Nacht. Dann wurden wir mit Bussen zum Flughafen gefahren. In der Ferne sah man immer die Flammen lodern. Die Busfahrer fuhren wie der Blitz und man selbst fuŐąhlte sich endlich sicher. Wir kamen kurz vor Mitternacht an.

Vom Flughafen aus, fuhren wir mit dem Taxi in eine Notunterkunft nach Rhodos Stadt. Eine Flugumbuchung war natuŐąrlich nicht mehr m√∂glich. Hier hatten wir das erste Mal Kontakt mit Christine Manuela Gottschalk. Sie suchte uns auch noch eine Unterkunft. Aber da wir nur noch etwas mehr als 24 Stunden zu uŐąberbruŐącken hatten, entschieden wir uns dagegen. Wir wollten Menschen, die l√§nger ausharren sollten, nichts vorenthalten oder wegnehmen. In der Unterkunft waren bereits viele GefluŐąchtete. Ebenso unz√§hlige ehrenamtliche Helfer, die bereits Wasser und Nahrung bereitgestellt hatten.¬†

Wir waren mit mehreren anderen Familien in einem Klassenraum untergebracht. Hier lernten wir Menschen kennen, die alles verloren hatten. Wir merkten schnell, dass wir eher Ausnahmen mit unseren Koffern und Dokumenten waren. Am Morgen kam Christine vorbei und spendete mit ihrer ruhigen Art Trost und versicherte sich, dass es uns gut ging. Vielen Dank! 

Der Tag verging recht zuŐągig. Es fehlte uns an nichts. Die Helfer versorgten uns mit allem was man tats√§chlich ben√∂tigte. Hygieneprodukte, Nahrung, Getr√§nken, selbst Spielzeug fuŐąr die Kinder. Am Nachmittag bot uns eine Frau an, dass sie uns zu ihrer Wohnung f√§hrt und wir dort duschen k√∂nnen.¬†

VerruŐąckt fuŐąr uns, fuŐąr sie selbstverst√§ndlich!¬†

Im Gespräch erfuhren wir, dass bereits ca. 20 (!!!!!) Leute vor uns bei ihr duschten. Menschlichkeit und Nächstenliebe, die wir aus Deutschland gar nicht so kennen. Danke Amalia!

Am Abend suchte ich Rat bei einer Betreuerin, weil wir zuruŐąck zum Flughafen ein Taxi ben√∂tigten. Ich bat um ihre Hilfe. Sie telefonierte kurz und eine Stunde sp√§ter stand Costa vor uns. Ein junger Soldat, der uns zum Flughafen bringen wollte. Mit seinem Privatwagen. Da unsere Koffer zu gro√ü waren, organisierte er ein 2.Privatauto. Unvorstellbar. Um 6:00 Uhr ging es zum Flughafen.¬†

Costa fuhr eine extra Runde um die Altstadt, damit wir nur schöne Bilder in Erinnerung behielten. Wie lieb kann man sein?!

Das waren grob berichtet unsere letzten Stunden auf Rhodos. Es war schlimm, ohne Frage, aber die ganzen lieben Menschen die wir trafen und die uns halfen, machen soviel wieder wett. Wir spuŐąrten so viel Zusammenhalt, so viel Liebe und Zuversicht. Obwohl diese Menschen so viel mehr als wir verloren, fingen sie uns in ihren Reihen auf. Wir k√∂nnen niemals wieder so viel zuruŐąck geben, au√üer weiterhin auf die Insel zu reisen und dies auch zu bewerben.¬†

Umso trauriger bin ich uŐąber das mediale Ausschlachten und teilweise aufpausen von Berichten. Das haben die Leute nicht verdient! Ich selbst habe mittlerweile 2 Interviewanfragen abgelehnt.¬†

Zum Schluss m√∂chte ich noch einmal sagen, dass wir wirklich schlimme Dinge gesehen haben. W√§hrenddessen den Mut ein StuŐąck weit verloren und Angst hatten. Es gab fuŐąr uns keine konkreten einsehbare Evakuierungspl√§ne, aber wenn man ruŐąckblickend sieht, dass es keine gr√∂√üeren menschlichen Sch√§den gab, wurde ein guter Job gemacht. FuŐąr uns steht fest, dass wir wieder kommen und so unseren Helfern die UnterstuŐątzung geben k√∂nnen, die sie brauchen:

Als Tourist, der seinen Urlaub bei ihnen genießt!

Nach dem Lesen dieser Zeilen ziehe ich schon wieder die Parallele zum Ahrtal! Auch dort sind die Menschen darauf angewiesen, dass der Tourismus wieder loslegt, schließlich ist das wie auf den griechischen Inseln die Haupteinnahmequelle!